Das Experiment

21. Apr 2008

Gestern habe ich ungefähr 20 Leute gefragt, ob ihnen beim Beitrag „1.Mai Upload“ irgendetwas auffällt. Ganze vier haben erkannt, dass das Bildmotiv und der Text von jeweils zwei Plakaten miteinander getauscht wurden - Plakat 1 & 4 / Plakat 2 & 3.
Ich hab das nicht (nur) gemacht, um zu zeigen, wie toll ich mit Photoshop umgehen kann. Auch nicht, um zu zeigen, dass die Inhalte auf den Plakaten austauschbar wären. Gerade Plakat eins und vier liegen nicht nur von der Message, sondern auch von ihrer textlichen Ausdrucksform zwei Jahrzehnte linker Geschichte auseinander – und muten dementsprechend skurril an, wenn man sie mixt.
Im Endeffekt hat das Experiment nur gezeigt, dass Leute die sich in der Politszene bewegen, die mit diesen Plakaten angesprochen werden sollen - seien wir mal ehrlich, ausser dem Mayday-Plakat macht keins den Versuch, Leute ausserhalb des Szene-Kontexts zu mobilisieren - nicht einmal die Anstrengung unternehmen, sich die Inhalte auf den Plakaten zuzuführen.
Warum das so ist, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht weil die Inhalte seit Jahren nur minimal variieren, vielleicht weil ein Blick auf Uhrzeit und Ort ausreicht, um zu entscheiden, auf welche Demo man will, oder vielleicht auch weil man eh nach Hamburg fährt und das alles nicht interessant ist.

Allen, denen ich damit Unrecht getan hab, allen die auch dieses Jahr gucken, ob ihr türkischer Bäcker auf dem „auch ich unterstütze die 13h Demo“-Plakat steht, oder die herausfinden wollen, wie die ALB den inhaltlichen Schlenker von Privatisierung zur Revolution schaffen, allen die überlegen mit ihrer Callcenter-Betriebsgewerkschaftsgruppe geschlossen zum Boxi zu tanzen, sei dieser Beitrag gewidmet.

ALLE PLAKATE DES DIESJÄHRIGEN 1.MAI
Die vom letzten Jahr (zum Vergleich) gibts hier


Allen, die noch ein 1.Mai-Plakat rumzuliegen haben, das hier fehlt (ein Hallo nach Nürnberg z.B.) sei gesagt:
Unser Mail-Postfach freut sich über Futter (politisches.plakat[at]gmx.de)

7 Kommentare

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  1. „seien wir mal ehrlich, ausser dem Mayday-Plakat macht keins den Versuch, Leute ausserhalb des Szene-Kontexts zu mobilisieren“

    na ja. auf der 18uhr demo latschen jawohl nicht nur „szene“ leute. waren letztes jahr ca. 5.000 personen.


  2. sehr schön, sehr spannend. ein experiment das sich, will ich behaupten, gelohnt hat. genau wie der neue header, der tod-chic ist.


  3. @karl:
    Es geht hier ja in erster Linie um die optische Aussage der Plakate und da macht nunmal keins der 18h-Plakate (von den 13h-Plakaten ganz zu schweigen) den Versuch, Menschen ausserhalb der „Szene“ anzusprechen: Rot, Schwarz, Sonnenaufgang, brennende Autos, Zwille, Vermummung, Kampf, Streik, Revolution.

    Da sagt ja erstmal nicht darüber aus, warum im letzten Jahr 5.000 Leute da waren. (Auch nichts darüber, wieviele dieses Jahr kommen werden) Das sagt nur aus, dass Leute, denen es irgendwie unter den Nägeln brennt, weil sie nen beschissenen Job haben, oder garkeinen, weil sie Migranten sind oder was weiss ich, und das vielleicht auch gern auf ner Demo artikulieren würden, nicht eingeladen werden, weil sie vielleicht das Riot-Gehabe nicht anspricht und ähnliches, aber das führt vielleicht zu weit hier.

    Es geht ja in erster Linie um eine Formkritik.


  4. […] Dank einer Reihe von digital abrufbaren Mayday-Plakaten aus aller Welt und zweier Lieferungen aus der Scheiz und aus dem Westen (Danke dafür!) sind jetzt insgesamt 33 Plakate rund ums Thema “Erster Mai” im Archiv (zu sehen hier). Bei den neuen waren wieder ein paar interessante dabei: […]


  5. zitat: “seien wir mal ehrlich, ausser dem Mayday-Plakat macht keins den Versuch, Leute ausserhalb des Szene-Kontexts zu mobilisieren”.
    > dazu kommt noch die frage WIE leute aus dem szene-kontext mobilisiert werden – ob mit einem einfachen „JA GENAU“ (hoch die faust) – oder ob das was hinter den augen liegt nicht auch etwas gefordert werden kann… denn das die welt nun mal etwas komplexer und widerspruechlicher ist als auf vielen szene-plakaten gezeigt ist ja wohl klar. – aber genau dafuer muessen wir bilder und texte (er)finden das zu beschreiben. eine linke ist nur stark wenn sie die „wirklichkeit“ treffender /radikaler beschreibt als der mainstream, – wenn die widersprueche zum tanzen gebracht werden… – da reicht ein „wir sind die guten“ einfach mal nicht mehr. selbst fuer uns selbst nicht, denke ich… und deswegen ist das alles hoechstens schoen – aber sonst eher langweilig (alter wein in neuen photoshop-schlaeuchen eben…)


  6. […] Es gibt nur eine handvoll Termine in Berlin, die fest im Linken Termin-Kalender stehen. Das ist neben der Luxemburg-Liebknecht-Demo, dem ersten Mai (seit drei Jahren auch dem achten Mai), der Silvio Meier Demonstration auch die Demonstration am Neunten November in Moabit. Die findet jetzt schon seit fünfzehn Jahren statt. Bemerkenswert dabei ist nicht nur die Kontinuität, mit der die Demo stattfindet, sondern auch das Layout. Trotz eines einfachen aber klaren Layouts, dass Bezug auf die Kontinuität nimmt, scheint sich jedes Jahr jemand anderes daran zu versuchen. Zumindest haben die MacherInnen es geschafft, jedes Jahr eine andere Schrift im Querbalken (also dem Element, was eigentlich immer gleich sein soll) zu verwenden. Dem haben sie dieses Jahr noch die Krone aufgesetzt. Es ist wohl ein Layoutfehler, aber die letzten vier Buchstaben von “Demonstration” sind nochmal in einer anderen Schrift gesetzt. […]


  7. […] Die Plakat vom Vorjahr gibt es hier. Und die von 2007 finden sich hier. […]


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