V.i.S.d.P.

20. Jun 2007

Jedes Plakat sollte ihn haben, circa 70% aller Plakate haben ihn auch:
Den klitzekleinen Schriftzug irgendwo am Rand in 7er Schriftgröße, der mit „V.i.S.d.P.“ anfängt. Der „Verantwortliche im Sinne des Presserechts“ hat eine einfache Funktion. Er soll verhindern, dass Plakatierer – sollten sie erwischt werden – neben der Sachbeschädigung auch für den Inhalt des Plakates verantwortlich gemacht werden.

Verantwortlich ist dann die Person, die nur bei genauem Hingucken am Rande des Plakats zu sehen ist. Dabei ist es nicht relevant, ob die Person existiert oder nicht. Besser ist es sogar, wenn sich keine reale Person für das Plakat verantworten muss.

Und so hat sich ganz am Rande noch eine kleine Stelle auf dem Plakat etabliert, in der sich die Layouter_in austoben kann. Ein flüchtiger Blick über die Plakate die hier rumliegen lässt eine Einteilung der „Verantwortlichen“ in drei Kategorien zu.

1. die Vorbilder
Dort tummeln sich Kommunist_innen, Theoretiker_innen und andere Menschen zu denen man einen positiven Bezug hat:
Hanna Ahrendt
Georgi Konstantinovitsch Schukov
Herbert Baum
Konrad Wolf
Joe Strummer
Bon Scott
Seltsamerweise hatte die AANO auf ihrem letzten Plakat als V.i.S.d.P. „N.Bersarin, Am Trümmerweg 13, 021945 Potsdam“ angegeben. Ging es da mit der eigenen Faschismusanalyse schon wieder abwärts?

2. die Gegner_innen
Hier trifft es vor allem Nazis und Bullen. Auf einem Plakat gegen einen Treptower Naziaufmarsch fand sich die Angabe „Andreas Thürmann, Stalinallee 181, 12345 Berlin“ ein Plakat für die Silvio Meier Demo zierte der Name „Nicola Rothermel“ (damals Pressesprecherin der Berliner Polizei).

3. Fantasienamen
Diese Rubrik ist mit Abstand die Umfangreichste. Ein paar Beispiele:
Freya Fluten
P. Repared
P. Rügelprinz
N.G. Area
G. Löbnix
Malan Wand
Christiane Info von Unz
Liselotte Meier
Clara Fall
Seed Tobocman (es wird viel geraucht in Neubrandenburg)
R. Gurl (aus der Genderstraße 68)
Linden C. Enter

Auch bei den Adressen treten deutliche Preferenzen hervor:
Straße der Pariser Kommune 1
Platz der künstlerischen Freiheit
Straße der Jugend
Rigaer Straße
oder für ganz abgefahrene
Platz des himmlichen Friedens

Die beliebteste Postleitzahl ist übrigens 12345 (irgendwo in Berlin-Treptow)

Falls ihr noch ähnliche (oder bessere) Beispiele habt: Her damit.

HKS98K, Juni 2007

10 Kommentare

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  1. In Thüringen gab es die alte Kinderfressende Genossin „W. Iralle“ die ihren Namen immer gerne gab. ;-) Zu der Person gibt es einige Gerüchte:

    Wer ist W.Iralle?
    A] Die Schwester von Mark Oh.
    B] Eine Kinderfresserin mit Krakenarmen
    C] …… wir alle.


  2. In der Bayern- und Bullenhauptstadt München hatten wir schon Probleme mit V.i.S.d.P.’s wie E. Lephant und ähnlichen Phantasieprodukten. Das betraf Flyer, aber auch Plakate die auf Plakatständern der PDS legal aufgestellt wurden. Die Bullen haben dann die Plakate zum Teil eingesammelt (kein Witz), oder bei Demos das verteilen der Flyer unterbunden.
    Wenn ihr Plakate zur Bundesweiten Verwendung macht, bemüht euch um ein überprüfbares V.i.S.d.P., bei Flyern ist das nochmal wichtiger.
    In Einzelfällen haben die Cops sogar bei Personen aus dem Telefonbuch, die als V.i.S.d.P. angegeben waren angerufen und sie gefragt ob sie tatsächlich V.i.S.d.P. sind. München halt.
    Es gab noch eine geniale Geschichte mit einem V.i.S.d.P., wo der Staatsanwalt Hoffmann (Münchens schlimmster) Anzeige gegen eine historische Person gestellt hat – ich recherchiere das mal, und poste das dann.


  3. Oh ja, das würde mich interessieren. :)


  4. Die Geschichte passt hier nur halb rein, weil es doch nicht um ein v.i.S.d.P. ging – but anyway:
    Der Aktionskünstler Wolfram Kastner schneidet seit Jahren immer wieder die Schleife von einem Kranz, im Rahmen eines alljährlichen Zeremoniells auf dem Salzburger Friedhaf zu Ehren gestorbener Waffen-SS ler niedergelegt wird. Kastner ist Vorsitzender des Kurt-Eisner Vereins, in dieser Funktion erklärt er die Aktion öffentlich. Eine Salzburger Richterin bat das Amtsgericht München um „Ausforschung und Vernehmung von Wolfram Kastner und Kurt Eisner“. Letzteres ist schwierig, weil Kurt Eisner, Ausrufer der Münchner Räterepublik, von Graf Arco von Valley 1919 erschossen wurde. Inwieweit Staatsanwalt Hoffmann damals nach Kurt Eisner ermittelt hat weiss ich nicht, der beste Artikel zu der ganzen Posse war auf indynews.net und die gibt es zur Zeit nicht.
    Ein kurzer Artikel zur ganzen Posse um Kurt Eisner ist hier:
    http://forum-recht-online.de/2005/305/305poljus.pdf
    und zum eigentlichem Prozess:
    http://www.hagalil.com/archiv/2005/06/ss.htm


  5. ..wieso kann mensch dann eigetlich nicht belangt werden wenn der visdp nur ein fake ist?


  6. Soweit ich das bis jetzt mitbekommen hab, gucken Bullen (zumindest in Berlin) immer nur, ob ein V.i.S.d.P. drauf ist. Wenn nicht, kannste Stress kriegen. Wenn drauf, egal ob Fake oder echt, biste fein raus.
    Ich kenne niemanden, der für Plakatieren in Berlin zu einer Strafe verurteilt wurde.


  7. nettes old school visdp:

    herr hausen, um die ecke 89, 6000 frankfurt/main


  8. auch schön: „Anne Fresse“, gesehen auf Aufklebern, die zum Widerstand gegen Männergewalt aufgerufen haben


  9. v.i.s.d.p.:
    anne fresse
    e. schneller


  10. Beliebt gegen Burschen: K.Appenklau


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