Antisexismus und Layout

3. Okt 2006

Der folgende Text basiert auf einem Posting von Bauhaustapete aus dem Jahr 2005. Er wurde aufgrund der nachfolgenden Diskussion und neuer Plakate modifiziert und ergänzt.

LayouterInnen, die sich als AntisexistInnen verstehen, stehen vor dem Problem, eine Art der Darstellung zu finden, die dem antisexistischen Anspruch Rechnung trägt. Das bedeutet vor allem, nicht hetero-sexistische Rollenbilder zu reproduzieren. Diese Aufgabenstellung zu visualisieren ist nicht einfach, wenn Ziel des Plakates ist, dazu aufzurufen einen Naziaufmarsch zu verhindern, also eine eigene Stärke zu demonstrieren. Den Kampf gegen Nazis zu verbildlichen, und dabei teilweise zu versuchen, aus den herkömmlichen Militanz- und damit Männlichkeitsdarstellungen auszubrechen, ist die Aufgabe, die zu bewältigen ist.

Um die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen an dieser Stelle eine kleine Kategorisierung:

Nummer 1: Der Antifa-Stil der die Plakate seit jeher und immer noch dominiert
>> Militante Männer, die Nazis jagen und verkloppen. Einfach das Naheliegenste, wenn es darum geht, den Slogan „Naziaufmarsch verhindern“ möglichst prägnant darzustellen.
>> Dargestellte Männlichkeit, um eigene Kraft auszudrücken. Das reproduziert natürlich exakt gesellschaftlich tradierte Rollenbilder.

Nummer 2: Die Affirmation bürgerlicher Frauenbilder.
>> Der ehrenwerte Versuch, die Männerdominanz auf Plakaten aufzubrechen, hat natürlich ein Problem, dass eine alleinige Darstellung von Frauen auf Plakaten nicht die bürgerlichen Geschlechterrollen aufbricht. Das gilt erst recht nicht, wenn die Darstellung sich an die herrschende Werbeoptik anlehnt, der versucht mit attraktiven Frauen für ein Produkt – in diesem Fall die Antifa-Demo – zu werben.
>> Das gleiche gilt auch für Plakate auf denen Männer und Frauen zu sehen sind. Zweigeschlechtlichkeit wird nicht infrage gestellt. Die Bildersprache wird nur selten hinterfragt.

Nummer 3: Die starke Frau
>> Meist verkörpert in der Figur der Partisanin oder „kämpfenden Mutter“. Der Versuch, das Bild Mann=starkFrau=schwach aufzubrechen. Gut gemeint, aber leider ist auch das nicht mehr wirklich subversiv, ist doch die starke Frau, die Kind, Haushalt und Arbeit miteinander vereinen kann inzwischen in der Gesellschaft angekommen.

Nummer 4: Die abstrakte Darstellung von Menschen
>> Die Darstellung von Menschen, bei denen das Geschlecht nicht eindeutig zuordenbar ist, die aber militant gegen Naziaufmärsche mobilisiert. Eine gute Variante im Umgang mit der Thematik auf dem, zugegeben sehr verkürzten, Medium Plakat.
Problematisch dabei ist, dass nicht eindeutig erkennbare Menschen grundsätzlich als Männer identifiziert werden.

Nummer 5: Die Abstrahierung von menschlicher Darstellung
>>Dass Plakatgestaltung auch ohne explizite Darstellung von Menschen eine Message rüberbringt, dürfte klar sein. Das erspart auch die Auseinandersetzung mit dem Thema dieses Beitrags. Das soll allerdings kein Pledoyer für den generellen Verzicht auf Menschendarstellung sein. Das wäre ja auf die Dauer auch langweilig.

Nummer 6: Weitere Möglichkeiten
Natürlich gibt es noch etliche weitere Möglichkeiten antifaschistische Inhalte zu visualisieren. Eine kleine Auswahl:
>> Typographische Darstellung
>> Comic-Illustrationen
>> Ironische Adaption der Geschlechterrollen

Da das Thema Antisexismus in den letzten Jahren wieder verstärkt in linken Kreisen Anklang fand, besteht auch die Hoffnung, dass linke Layouter ihre Möglichkeiten reflektieren und antisexistische Ideen mit einfließen lassen.
Den Möglichkeiten sind dabei nur technische Grenzen gesetzt. Voraussetzung bleibt natürlich, dass der Wille vorhanden ist, sich mit den grafischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und neues auszuprobieren.

11 Kommentare

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  1. Also dem göttinger 1.Mai-Plakat Affirmation bürgerlicher Frauenbilder zu unterstellen ignoriert etwas, dass das ganze Ensemble verschiedene Klischee-Bilder (Festival-guide-Leute und 1.Mai-Barrikade)mixt und diese dabei versucht mehrfach grafisch zu brechen bzw. zu verfremden. Offensichtlich deplazierte Party-gänger in comic-Verfremdung vor real-Photo mit pathetischen Parolen und einer oldschool China-Propagandaplakat-Farbgebung. Dass die ironische Distanz der MacherInnen ausgerechnet das Rollenklischee aussparen soll glaub ich nicht so richtig.


  2. @wildeshalensee:
    Kann mensch so sehen, oder auch nicht.
    Könnte genauso gut als der Versuch verstanden werden, den Riot als Popkulturelles Event zu verkaufen. Der fesche Boy mit seiner Freundin auf den Schultern, die Hassi in der Tasche (sie ein Dreieckstuch damit die Frisur nicht versaut wird). Und das mit der China-Propagandaplakat-Farbgebung muss du mir nochmal verdeutlichen.

    Versteh mich nicht falsch. Ich finde das Plakat technisch sehr gelungen, nur die bürgerlichen Rollenbilder werden halt 1 zu 1 übernommen.


  3. @HKS98K check this out: http://laifgate.picturemaxx.com/thumb.php/00723060.jpg?WGSESSID=f03788299cbc051c354e2502fcc3a4ee&OGSESSION=0585db0631bd982eb97ea3551d4857f2&UN=MTExMTE=&LANGUAGE=german&IMAGESIZE=2&RENDERSIZE=400&IMAGENUMBER=00723060 bzw eh super zusammenstellung hier: http://www.laif.de/de/article/11307.html?WGSESSID=5a48217c51c9f33143ee344a0bf1fd1b&POTID=2491e2389273f0810a7bff25aa046fbd , ähem sind bisschen lang die adressen


  4. […] “LayouterInnen, die sich als AntisexistInnen verstehen, stehen vor dem Problem, eine Art der Darstellung zu finden, die dem antisexistischen Anspruch Rechnung trägt. Das bedeutet vor allem, nicht hetero-sexistische Rollenbilder zu reproduzieren. Diese Aufgabenstellung zu visualisieren ist nicht einfach, wenn Ziel des Plakates ist, dazu aufzurufen einen Naziaufmarsch zu verhindern, also eine eigene Stärke zu demonstrieren. Den Kampf gegen Nazis zu verbildlichen, und dabei teilweise zu versuchen, aus den herkömmlichen Militanz- und damit Männlichkeitsdarstellungen auszubrechen, ist die Aufgabe, die zu bewältigen ist.” hier ist der ganze artikel dazu. […]


  5. Auf dem Plakat der Jugend Antifa Marzahn ist aber nicht ein Typ, sondern eine Frau zu sehen die den Nazi tritt. Schlechtes Besipiel für männlich dominierte Militanzdarstellung.

    Prinzipiell bleibt halt die Frage was ein Plakat überhaupt leisten kann. Wenn du schreibst, das z.b. die nicht identifizierbaren Personen eher als Männer wahrgenommen werden, dann ist das zwar richtig, liegt aber nicht so sehr am Plakat, sondern an den gesellschaftlichen Bedingungen und am Kontext in dem das Plakat auftaucht.

    Ich halte die Darstellung der „starken Frau“ immer noch für ganz geeignet. Und die wird auf linken Plakaten mittlerweile eigentlich nicht, wie du schreibst, als „kämpfende Mutter“ dargestellt, sondern bei deinen beiden Besipielen einmal als politische Aktivistin und beim zweiten „Concierto“-Plakat eher als Arbeiterin (zumindest sieht mir der Gegenstand in der Hand der Frau eher nach einer Maurerlkelle aus als nach einer Babyflasche). Klar, das ist flach und vereinfacht, es ist halt ein Plakat und keine Broschüre. Ich finde es wichtig strukturellen Defiziten in der Gesellschaft und in politischen Gruppen (mir sind wenige gemischte Gruppen über 10 Perosnen bekannt in denen der Frauen-Anteil höher als ein drittel ist) durch die offensive Propagierung eines anderen Selbstverständnisses und einer anderen Rolle als die herkömmliche entgegen zu wirken.


  6. „… liegt aber nicht so sehr am Plakat, sondern an den gesellschaftlichen Bedingungen und am Kontext in dem das Plakat auftaucht“

    darum geht es ja beim layouten! den eigenen entwurf eben im gesellschaftlichen kontext sehen und genau mit jenem zu arbeiten! ein plakat funktioniert immer nur in einem gesellschaftlichen kontext – es gibt kein „plakat an sich“. und das muss sich der_die layouter_in zu nutze machen! – dann kann sie_er mit plakaten eben auch klischees brechen, parodieren – oder reproduzieren…


  7. rgmjpnljum

    nlrwytnst vcgvrrdv fbadgogqgno sxeutuyg


  8. […] […]


  9. Lavoro eccellente! ..ringraziamenti per le informazioni..realmente lo apprezzo: D


  10. The information I found here was rather helpful. Thank you for this.


  11. Äîì³âêà

    Das Politische Plakat :: Antisexismus und Layout :: Oktober :: 2006


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