Total unaktuell hier

27. Okt 2006

OK, in letzter Zeit hat sich hier nicht viel getan. Das heißt aber nicht, dass sich nichts tut. Derzeit wird weiter fleißig an einer Datenbank gefeilt, in der dann die Plakate nach Stadt, Thema, Farbe und und und durchsucht werden können. Und ausserdem ist bald der 1. November, d.h. dass die nächste Ladung Plakate hochgeladen wird.

Es sind wieder ein paar nette alte Sachen, aber auch ein paar Richtig aktuelle dabei.
Z.B. für folgende Aktionen:

[Naziaufmarsch in Halbe]
[Aktionswochen in Bernau]
[Antifademo am 9.November in Berlin]
und vieles mehr.

Danke an dieser Stelle an alle, die uns Plakate per Mail geschickt haben.
Weiter so. (politisches.plakat@gmx.de)

HKS 13

7. Okt 2006

Was haben ein Großteil der linksradikalen Plakate der 70er/80er mit den Plakaten der KPD in den 30ern, mit aktuellen Wahlplakaten der PDS, SPD und auch NPD gemeinsam?

Die Farbsprache.
Meist beschränkt(e) sich die Farbigkeit auf das Zusammenspiel der Druckfarben Schwarz und Rot auf weißem Papier. Das ist farbpsychologisch sehr naheliegend, braucht man doch eine kontrastreiche Farbe (Schwarz), um z.B. die Schrift sichtbar abzusetzen und eine Signalfarbe, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und dafür eignet sich Rot nun mal am besten. Schließlich wird Rot bei Ampeln, Verkehrsschildern, Feuerwehr, Absperrbändern verwendet, also überall dort, wo Aufmerksamkeit von Bedeutung ist.
Die Farbkombination hat bei Antifaplakaten noch einen weiteren Vorteil. Das Antifalogo kann in seinen ursprünglichen Farben abgedruckt werden. Die rote und schwarze Fahne kommen so am besten zu Geltung.

Dass auch mit anderen Farben eine ähnliche Wirkung erreicht werden kann, ist eine Erkenntnis, die zum Glück bei allen Layoutern inzwischen angekommen ist. So gibt es wahrscheinlich inzwischen keine Farbe im Farbfächer, die nicht schon einmal für ein politisches Plakat verwendet wurde. Ein paar Farben erfreuen sich dabei besonderer Beliebtheit.

1) Orange:
Orange ist letztendlich das neue Rot. Orange hat eine ähnliche Signalwirkung, ist nicht so agressiv und wirkt auf Plakaten nicht so verbraucht, wie das Rot, was schon immer verwendet wurde. Deshalb gab es in den letzten Jahren Phasen, in denen Orange die dominante Farbe auf antifaschistischen Plakaten war, z.B. November 2003:

2) Hellblau/Cyan:
Hellblau hat einen entscheidenden Vorteil beim Layouten. Wenn ein 2-farbiges Layout verwendet wird, dann kann mensch sich neben Schwarz für eine der anderen drei Grund-Druckfarben (vollfarbiger Offset-Druck wird in den Farben Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb gedruckt) entscheiden, in denen die druckfertige Datei angelegt werden soll. Da fällt bei vielen die Wahl auf Cyan. Wenn mensch das Plakat dann fertig layoutet hat, und es schick findet, ist es natürlich leichter, die Farbe auch im Druck zu nehmen, anstatt sich noch mit der Druck-Farbwahl rumzuärgern.

3) Rosa/Magenta:
Rosa fasst im Prinzip beide Elemente in einem zusammen. Es ist eine leicht abgewandelte Rot-Art und als Magenta eine der vier Grundfarben. Zudem spielt Rosa im linken Diskurs um Sexismus eine prägnante Rolle, so dass die Farbe in den letzen Jahren auch stärker auf Antifa-Plakaten Einzug hält.

Was sich darüber hinaus farblich auf Antifa-Plakaten abspielt, sprengt wahrscheinlich diesen Rahmen. Wie schon geschrieben, es wurde bestimmt inzwischen schon jede druckbare Farbe verwendet, auch Leuchtfarben und Metallikfarben. Deshalb beende ich diesen Beitrag mit einer kleinen Visualisierung:
[klick]

ideen zum polpla-projekt

5. Okt 2006

knowledge
statt das projekt „nur“ zum begucken und diskutieren schon gedruckter plakate zu nutzen fände ich es schön auch erarbeitetes wissen weiter zu geben. vorallem viele junge leute fragen oft wie mensch dies und jenes macht oder tun sich schwer mit typografie, aufteilung, druckrelevanten details oder den layoutprogrammen. das führt, nicht nur bei den jungen leuten, leider oft dazu dass eine menge nicht wirklich ansprechender sachen gedruckt werden.
dabei ist den drucksachen ja oft anzusehen dass es nicht an ideen mangelt sondern eher an der technischen umsetzung bzw. dem fehlenden know how und da liesse sich ja sicher was machen.
zb. mit einer art walkthrough „wie designe ich ein plakat“ für die gängigen desktop publishing programme (vorzugsweise natürlich open source), mit einigen basics zum umgang mit den programmen, typografie, farben, druckvorbereitung, etc. vielleicht ja anhand eines bsp. plakats oder so.

rsrc
was neben dem basiswissen leider auch ab und an fehlt ist vernünftiges ausgangsmaterial. fotos, illustrationen, whatever…da beim layouten eines linksradikalen plakats die copyright verletzung ja quasi dazu gehört ist es natürlich schwer wirklich vernünftiges material zu liefern (einige seiten scheiterten ja schon daran) und macht für das projekt auch gar keinen sinn (google image oder ein scanner tuns ja auch). aber vielleicht ja themenbezogenes copyright freies material , oder zeug von netten fotografInnen, grafikerInnen, etc. zb. unter einer cc-lizenz.
ausserdem gibt es eine menge an material das schonmal irgendwo benutzt wurde und auch zur weiterverabeitung geeignet ist.

vielleicht gibt es da ja interesse oder sogar leute die bei sowas mitmachen würden?
schreibt mal was ihr davon haltet.

für noch tollere plakate!

Antisexismus und Layout

3. Okt 2006

Der folgende Text basiert auf einem Posting von Bauhaustapete aus dem Jahr 2005. Er wurde aufgrund der nachfolgenden Diskussion und neuer Plakate modifiziert und ergänzt.

LayouterInnen, die sich als AntisexistInnen verstehen, stehen vor dem Problem, eine Art der Darstellung zu finden, die dem antisexistischen Anspruch Rechnung trägt. Das bedeutet vor allem, nicht hetero-sexistische Rollenbilder zu reproduzieren. Diese Aufgabenstellung zu visualisieren ist nicht einfach, wenn Ziel des Plakates ist, dazu aufzurufen einen Naziaufmarsch zu verhindern, also eine eigene Stärke zu demonstrieren. Den Kampf gegen Nazis zu verbildlichen, und dabei teilweise zu versuchen, aus den herkömmlichen Militanz- und damit Männlichkeitsdarstellungen auszubrechen, ist die Aufgabe, die zu bewältigen ist.

Um die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen an dieser Stelle eine kleine Kategorisierung:

Nummer 1: Der Antifa-Stil der die Plakate seit jeher und immer noch dominiert
>> Militante Männer, die Nazis jagen und verkloppen. Einfach das Naheliegenste, wenn es darum geht, den Slogan „Naziaufmarsch verhindern“ möglichst prägnant darzustellen.
>> Dargestellte Männlichkeit, um eigene Kraft auszudrücken. Das reproduziert natürlich exakt gesellschaftlich tradierte Rollenbilder.

Nummer 2: Die Affirmation bürgerlicher Frauenbilder.
>> Der ehrenwerte Versuch, die Männerdominanz auf Plakaten aufzubrechen, hat natürlich ein Problem, dass eine alleinige Darstellung von Frauen auf Plakaten nicht die bürgerlichen Geschlechterrollen aufbricht. Das gilt erst recht nicht, wenn die Darstellung sich an die herrschende Werbeoptik anlehnt, der versucht mit attraktiven Frauen für ein Produkt – in diesem Fall die Antifa-Demo – zu werben.
>> Das gleiche gilt auch für Plakate auf denen Männer und Frauen zu sehen sind. Zweigeschlechtlichkeit wird nicht infrage gestellt. Die Bildersprache wird nur selten hinterfragt.

Nummer 3: Die starke Frau
>> Meist verkörpert in der Figur der Partisanin oder „kämpfenden Mutter“. Der Versuch, das Bild Mann=starkFrau=schwach aufzubrechen. Gut gemeint, aber leider ist auch das nicht mehr wirklich subversiv, ist doch die starke Frau, die Kind, Haushalt und Arbeit miteinander vereinen kann inzwischen in der Gesellschaft angekommen.

Nummer 4: Die abstrakte Darstellung von Menschen
>> Die Darstellung von Menschen, bei denen das Geschlecht nicht eindeutig zuordenbar ist, die aber militant gegen Naziaufmärsche mobilisiert. Eine gute Variante im Umgang mit der Thematik auf dem, zugegeben sehr verkürzten, Medium Plakat.
Problematisch dabei ist, dass nicht eindeutig erkennbare Menschen grundsätzlich als Männer identifiziert werden.

Nummer 5: Die Abstrahierung von menschlicher Darstellung
>>Dass Plakatgestaltung auch ohne explizite Darstellung von Menschen eine Message rüberbringt, dürfte klar sein. Das erspart auch die Auseinandersetzung mit dem Thema dieses Beitrags. Das soll allerdings kein Pledoyer für den generellen Verzicht auf Menschendarstellung sein. Das wäre ja auf die Dauer auch langweilig.

Nummer 6: Weitere Möglichkeiten
Natürlich gibt es noch etliche weitere Möglichkeiten antifaschistische Inhalte zu visualisieren. Eine kleine Auswahl:
>> Typographische Darstellung
>> Comic-Illustrationen
>> Ironische Adaption der Geschlechterrollen

Da das Thema Antisexismus in den letzten Jahren wieder verstärkt in linken Kreisen Anklang fand, besteht auch die Hoffnung, dass linke Layouter ihre Möglichkeiten reflektieren und antisexistische Ideen mit einfließen lassen.
Den Möglichkeiten sind dabei nur technische Grenzen gesetzt. Voraussetzung bleibt natürlich, dass der Wille vorhanden ist, sich mit den grafischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und neues auszuprobieren.


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